„Ist es nicht wunderbar, daß die Begierde das Vermögen um so viele Jahre überlebt?“

William Shakespeare (1564 – 1616)

Herzlich Willkommen

Eine Idylle, ein Postkartenbild dachte Greta Behringer. Alles passt und doch gefällt es mir nicht. Alles ist pünktlich erledigt, aber wie immer interessiert sich die gnädige Frau Jellenkamp nur für das Eine, für ihr Handy. Greta Behringer nannte ihre Arbeitgeberin und die Mutter von Ann-Sofie im Stillen immer nur die gnädige Frau. Herzlichkeit war nicht deren Stärke. Selten reichte es zu mehr als kühler Höflichkeit. Meist war sie in ihre Geschäfte versunken, in Eile und beachtete niemanden. Hauptsache der Haushalt funktionierte, die Hecken waren geschnitten und alles glänzte sauber. Zeit nahm sie sich nur für ihre Ann-Sofie. Eine Stunde jeden Abend. Und morgens frühstückte sie mit ihrer kleinen Tochter. Das war ihr wichtig und dass Ann-Sofie eine Jellenkamp war und nicht wie ihr Mann hieß. Auch sie hatte bei der Eheschließung ihren Namen behalten. Einen guten Namen, der für ein stattliches Erbe an Land und Immobilien stand. Und für Aktienbesitz, Beteiligungen an Firmen. Oberklasse. Eigentlich ein alter Begriff, aber auf Annette Jellenkamp und ihre Eltern passte er. Die Eltern wussten, dass sie Macht hatten und vor allem die Mutter nutzte sie rücksichtslos, Annette Jellenkamp war da noch ungeübt.

„Was ist das?“, fragte das Geburtstagskind. „Was ist das?“
Zwischen den leuchtenden Seerosen trieb ein Mensch. Unbeweglich auf dem Bauch, das Gesicht lag im Wasser. Die leichte Strömung schob ihn voran.
„Dem Mann fehlt eine Hand“, sagte Dore Vermeulen wie in Trance. Greta stellte sich vor die Kinder: „Geht zum Haus! Sofort.“
Der Mann trieb an ihnen langsam vorbei. Dore sah hoch und auf die andere Seite. Da war nichts und niemand. Dann hörte sie eine Fahrradklingel. Sie griff nach ihrem Handy. Notruf.

 

bei Monika Detering & J. Monika Walther